Away

«Away» ist das Langfilmdebüt des lettischen Regisseurs Gints Zilbalodis, der mit diesem Film von einer fantastischen Reise erzählt, die nicht zuletzt durch das menschliche Unbewusste führt. Ein Junge, der als Einziger einen Flugzeugabsturz überlebt hat, erwacht auf einer verlassenen Insel. Ganz unbewohnt ist sie nicht – es gibt dort verschiedene Tiere sowie ein träges Monster, eine Art wandelnden Schatten, der allen nach dem Leben trachtet und jene «aussaugt», die sich ihm nicht widersetzen. Um zu den Menschen zurückzufinden, muss der Junge auf die andere Seite der Insel gelangen. Die erste und schwierigste Probe auf dieser Reise ist die Begegnung mit dem Monster. Es verfolgt den Jungen langsam, aber hartnäckig – so wie es Ängste tun, mit denen wir alle immer wieder konfrontiert sind. Nur wenn wir der Angst in die Augen sehen, können wir den Weg fortsetzen.
Gints Zilbalodis vermeidet jeden Hinweis auf Emotionalität. So hat der Junge – immerhin das einzige menschliche Wesen auf der Insel – ein betont ausdrucksloses Gesicht. Selbst Mut und Freundschaft werden sehr distanziert gezeigt. Dennoch hat der Film eine zutiefst psychologische Dimension. Es ist, als würde sich der Junge aus einem Albtraum herauszuwinden versuchen. Und wie in einem Traum, in dem wir schreien oder wegrennen möchten, aber es nicht können, gestalten sich Zeit und Raum, Tempo und Volumen in diesem mal meditativen, mal dynamischen Film nicht nach herkömmlichen Vorstellungen.
Wie die Animationsfilmpioniere aus dem vorigen Jahrhundert machte Gints Zilbalodis seinen Film ganz allein, inklusive Computeranimation, Schnitt und Musik. «Away» ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie frei und unabhängig ein Animator in seiner Arbeit sein kann – und wie er finanzielle und technische Einschränkungen zu seinen Gunsten nutzt. Der Film gewann kürzlich den Contrechamp Award in Annecy.

  • RegieGints Zilbalodis
  • LandLV
  • Produktionsjahr2019
  • Laufzeit1 Stunde 14 Minuten
  • Sprache (Untertitel)ohne Dialog
  • Altersfreigabe6+